Videoportale im Kurzcheck

Die Welt der Videoportale verspricht Aufmerksamkeit und Teilhabe. Vor allem die Bedeutung von Portalen, die eine Übertragung von Videos in Echtzeit ermöglichen, hat dabei stetig zugenommen.
Bild
Kinder und Jugendliche nutzen nicht mehr so intensiv Plattformen wie Facebook, sie pflegen ihre Profile nicht mehr regelmäßig, da auch die Erwachsenen aus ihrem Umfeld Profile angelegt haben und auf Facebook aktiv sind. Die Live-Übertragung bietet hier oft neue Anreize. Der Kurzcheck gibt eine Übersicht zu Nutzungsweisen und Risiken von Live-Streams.
Nach dem Erfolg anderer Live-Streaming-Portale zieht Facebook mit „Facebook Live“ nach. Der Konzern will einerseits große Events wie Sportveranstaltungen und Konzerte live übertragen, es anderseits seinen Nutzer ermöglichen, selbst Videos zu streamen. Dabei kann gezielt nach Übertragungen von „Freunden“ oder von bekannten Persönlichkeiten gesucht werden. Facebook stellt Live-Sendungen automatisch auf „öffentlich“. Das bedeutet: Jeder Nutzer innerhalb und außerhalb von Facebook kann das Video sehen. Wer das nicht möchte, kann seine Streams nur für einzelne Gruppen freigeben, etwa für Familienmitglieder oder einzelne „Freunde“. Alle Streams können live kommentiert oder mit Emojis versehen werden, die in Echtzeit angezeigt werden.
Meerkat ist eine kostenlose App für das Livestreaming von Videos. Ursprünglich war die App mit Twitter verknüpft, bis Twitter mit einem eigenen Live-Streaming-Dienst, Periscope, an den Markt ging und den Zugang von Meerkat zu Twitter einstellte. Bei Installation von Meerkat wird der Zugriff auf Kamera und Mikrofon als Grundeinstellung freigegeben. Mit Meerkat sind nur öffentliche Streams möglich, eine Einschränkung des Empfängerkreises ist nicht vorgesehen. Es besteht darum die Gefahr, dass eigentlich private Inhalte eine große Öffentlichkeit erhalten.
Periscope ist wie Meerkat eine mobile App für die Videoübertragung in Echtzeit. Die Anmeldung ist über nur über einen Twitter-Account oder mit der Telefonnummer möglich. Live-Streams können kommentiert und bewertet werden. Anders als bei Meerkat besteht die Möglichkeit, den Empfängerkreis einzuschränken. Zudem kann man wählen, wem man folgen möchte, und wird per Twitter informiert, wenn die entsprechende Person auf Sendung geht. Alle Live-Steams werden 24 Stunden lang nach Erstsendung zwischengespeichert und sind danach nicht mehr verfügbar. Eigene Sendungen können jedoch dauerhaft auf dem Smartphone gespeichert werden.
Mit Snapchat können Fotos und Kurzvideos versendet und angeschaut werden, die sich nach kurzer Zeit selbst löschen. Um sich bei Snapchat anmelden zu können, müssen künftige Nutzer zunächst ein Nutzerkonto anlegen. Bevor ein Foto oder Video gesendet wird, muss festgelegt werden, wie viele Sekunden der Empfänger das Bild oder Video sehen darf. Das Maximum beträgt dabei zehn Sekunden. Für Fachkundige ist es jedoch relativ einfach, versendete Dateien innerhalb der Ordnerstruktur des genutzten Gerätes zu finden und wiederherzustellen.
Twitch ist ein Live-Streaming-Portal für die Übertragung von Computerspielen. Nutzer können sich hier kostenlos anmelden und beliebige Spiele spielen und gleichzeitig anderen präsentieren. Das Prinzip ist damit vergleichbar mit einem „Lets-Play“, bei dem Nutzer anderen Spielern bei einem Online-Spiel zuschauen. Neben der Spezialisierung auf Online-Spiele hat Twitch mit dem „Cheering“ eine weitere Besonderheit. Mit sogenannten „Twitch Bits“ können Zuschauer im Chat mit anderen interagieren und die Spieler mit Geld entohnen. Die „Bits“ werden durch echtes Geld erworben.
YouNow ist eine kostenlose Live-Videostreaming-Plattform des US-amerikanischen Unternehmens YouNow Inc., die auch als App für das Smartphone verfügbar ist. Die Plattform ist bei Jugendlichen beliebt, auch weil sie hier weitgehend unter sich sind. Denn die meisten Erwachsenen haben YouNow noch nicht für sich entdeckt. Die Nutzer können mit der Kamera ihres Smartphones, Laptops oder Tablets Live-Videos aufnehmen. Parallel dazu besteht die Möglichkeit, mit anderen Nutzern zu chatten. Auch nicht angemeldete YouNow-Nutzer können die Live-Videos sehen, allerdings selbst keine Videos einstellen und sich auch nicht am Chat beteiligen. Die einzige Zugangsvoraussetzung für die Eröffnung eines Kontos ist ein Facebook-, Twitter- oder Google-Plus-Konto.
YouTube, eine Tochtergesellschaft von Google Inc., ist das wahrscheinlich bekannteste Internet-Videoportal überhaupt. Auf dem Portal können kostenlos Videoclips veröffentlicht, kommentiert oder angeschaut werden. Wer einen Beitrag auf YouTube hochladen möchte, muss zuvor einen Account anlegen. Die individuelle Website eines YouTube-Nutzers wird als „Kanal“ bezeichnet. Umfragen zu den beliebtesten YouTube-Kanälen von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren ergaben, dass Mädchen vor allem Kanäle besuchen, die sich den Themen „Beauty“ und „Lifestyle“ widmen, während Jungen Kanäle zu Themen wie „Computerspiele“ und „Comedy“ bevorzugen.
Wer einen YouTube-Kanal hat, kann darüber hinaus YouTube Live nutzen und eigene Live-Streams ins Internet stellen. Andere YouTube-Nutzer können an diesen teilnehmen, sie kommentieren und bewerten.
Um für Zuschauer interessant zu sein und somit mehr Likes und Fans zu bekommen, geben gerade Kinder und Jugendliche viel von sich preis. Beim Live-Streaming können aber auch Rechte anderer verletzt werden. Für Kinder und Jugendliche gilt deshalb: Alles ist live. Es gibt keine Möglichkeit, bereits Gesagtes oder Getanes zu bearbeiten oder rückgängig zu machen. Umso wichtiger ist es, dass Erwachsene die Übersicht behalten, welche Angebote Kinder und Jugendliche nutzen, ob sie selbst Inhalte live streamen und mit wem sie sich austauschen.