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Privatsphäre im Messenger

Kinder und Jugendliche treten zunehmend über das Internet miteinander in Kontakt, tauschen sich über ihre Vorlieben, Fragen und Probleme aus. Für diesen Austausch werden zumeist Chatrooms und Instant Messenger genutzt, um „live“ zu kommunizieren. Hierbei werden auch unangenehme Begegnungen und Erfahrungen gemacht.

Obwohl eine Vielzahl an medialen Kommunikationsmöglichkeiten verfügbar ist, steht bei Kindern und Jugendlichen das Chatten („plaudern“) in speziellen Chatrooms oder über Instant Messenger hoch im Kurs. Über Chatrooms und Messenger wird, z.B. im Unterschied zur E-Mail, synchron, d.h. zeitlich gesehen direkt kommuniziert. Das macht für die meisten Kinder und Jugendliche diese Form der Kommunikation besonders attraktiv. Ein weiterer Aspekt ist die vermeintliche Anonymität, z.B. aufgrund der Nutzung eines Nicknames, durch die man sich geschützt fühlt.

Unabhängig davon bergen Chatrooms und Messenger ein bestimmtes Gefährdungspotential, etwa Beleidigungen oder (sexuelle) Belästigungen. Fremde probieren die gezielte Abfrage nach persönlichen Informationen wie Name, Adresse, Telefonnummer bis hin zur Aufforderung zu einem persönlichen Treffen. „Cyber-Grooming“ (oder Online-Grooming) wird das Phänomen genannt, wenn Erwachsene versuchen, sich über Chatrooms und Messenger das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu erschleichen, um sie im realen Leben zu treffen und schlimmstenfalls zu missbrauchen.

Schutz der Privatsphäre

Nutzung Chatrooms

36% der befragten Jugendlichen zwischen 12-13 Jahren benutzen Chatrooms ein-/ mehrmals die Woche.

Quelle: mpfs | KIM-Sudie 2010

Chats als Spielräume

Chatten ist mehr als nur belangloses Plaudern. Die in bestimmten Chatrooms oder per Instant Messenger stattfindende Kommunikation bietet Kindern und Jugendlichen neben der weitgehenden Anonymität die Möglichkeit, andere frei und spielerisch kennenzulernen oder bestehende Kontakte zu pflegen. Diese Möglichkeit wird von Kindern und Jugendlichen intensiv genutzt.

Die in Chats vorherrschende eigene Sprache und vorhandenen Kommunikationsregeln unterstützen die Wahrnehmung von Chats und Messenger als „Spielräume“, in denen man sich ausprobieren kann. Eltern und Lehrkräfte hingegen wissen teilweise relativ wenig über Funktionsweise von Chats und Messenger sowie über die dort bestehenden Gefährdungen durch Übergriffe. Umgekehrt berichten Kinder und Jugendliche nur wenig über ihre Chaterfahrungen, insbesondere nicht über erfahrene Belästigungen, auch aus Angst das Chatten verboten zu bekommen.

Jugendschutzprobleme in Chats und Messenger

Im Jahr 2008 verdeutlichte der Cyber-Grooming Prozess in Konstanz die Gefährdungen, denen Kinder und Jugendliche in Chats und Messenger ausgesetzt sind. Gefährdungen reichen von Übergriffen durch Beschimpfungen und Beleidigungen, z.B. in Form von sexistischen und herabwürdigenden sprachlichen Attacken bis hin zu sexuellen Übergriffen oder gar Vorbereitungen des Missbrauchs im Chat oder Messenger.

Hiervon sind insbesondere Mädchen betroffen. Sie werden z.B. aufgefordert, persönliche Details preiszugeben (Alter, Wohnort, Handynummer, sexuelle Erfahrungen und Wunschvorstellungen, etc.), vor der Webcam zu strippen oder sich mit den Fremden real zu treffen. Jungen werden konfrontiert mit Beleidigungen, Beschimpfungen (sog. „Flaming“) oder Cyberthreats, d.h. Drohungen von Übergriffen, die online angekündigt werden.

Insbesondere in Chats, die sich an alle Altersgruppen richten sowie in Instant Messenger ist das Risiko von Belästigungen und Übergriffen hoch. So gibt es in Chatrooms so genannte „Séparées“ (Eröffnung von Privatdialogen), in denen es schnell intim werden kann, z.B. durch den Austausch von pornografischen Bildern und Videos per Webcam. Problematisch ist, dass die Séparées in der Regel nicht von den Anbietern überprüft werden können.

Übergriffe per Instant Messenger

Sexuelle Belästigungen kommen insbesondere in den Kinder- und Teenchannels von großen Chats vor. Es gibt jedoch Chats (z.B. kontinuierlich moderierte Kinderchats), die kein oder nur ein geringes Risiko bergen. Zudem gibt es in den meisten Chats ein Mindestmaß an Moderation und Überwachung sowie eine Beschwerdestelle seitens der Anbieter. In solchen Webchats wird jedoch häufig nach der Instant Messenger-Kennung (Benutzername, ICQ-Nummer etc.) gefragt, um über diese privat weiter kommunizieren zu können.

Denn im Unterschied zu Webchats laufen die Nachrichten beim Messenger nicht über die Plattform eines Chat-Betreibers. Nach Installation des kostenlosen Messengers bauen die Rechner der Teilnehmer eine direkte Verbindung auf, d.h. ähnlich einem Telefongespräch werden die Nachrichten von einem Nutzer zum anderen gesendet. Durch diese Technik ist es einfach, Texte, Daten, Fotos oder Audio- und Videofiles zu versenden. Es entfallen jedoch auch viele Möglichkeiten der Filterung, Moderation und Kontrolle durch den Anbieter. Damit erhöht sich das Risiko unerwünschter Kontakte oder Nachrichten, der Zusendung pornografischer oder gewalthaltiger Bilder, Videos, Tondateien oder sexuell motivierter Anfragen sowie Belästigungen.

Daher ist hinsichtlich der Selbstdarstellung in Messengern besondere Vorsicht geboten, um die eigene Privatsphäre zu schützen. Bei jeglichen Übergriffen bestehen zudem Möglichkeiten, den Täter zu blocken oder zu veranlassen, dass er aus den jeweiligen Foren und Chats ausgeschlossen wird. Grundsätzlich bietet eine große Sicherheit die Nutzung geeigneter Webchats für Kinder und Jugendliche sowie Kinder-Messenger. Generell können Lehrkräfte und Eltern unterstützend wirken, indem sie Kinder und Jugendliche in ihren Chaterfahrungen medienpädagogisch begleiten.

Weiterführende Informationen

Chatten ohne Risiko bietet viele Informationen und Tipps rund ums Chatten.
Hier geht es zum Verhaltensubkodex der in der FSM zusammengeschlossenen kommerziellen Chatanbieter, um den Kinder- und Jugendschutz bei der Nutzung von Chats in Deutschland zu verbessern.
Chatiquette zeigt Verhaltensregeln im Chat auf.
Bei Problemen und Belästigungen hilft Nummer gegen Kummer weiter.

Unterrichtsmaterialien

Hier finden Sie eine Vielzahl an Materialien und Unterrichtsideen der Netzwerkpartner rund um das Thema Datenschutz und Sicherheit.