Daten in Online-Communities

Ob Facebook, WhatsApp, YouTube, Snapchat oder Twitter - Soziale Netzwerke bedienen das bei Kindern und Jugendlichen stark verbreitete Bedürfnis sich auszutauschen und zu kommunizieren. Dies bringt viele Vorteile mit sich, aber auch Schattenseiten, die oftmals nur in Ansätzen erahnt werden.
In der Phase der Persönlichkeitsentwicklung nabeln sich junge Menschen von der Familie ab, probieren sich aus, definieren und positionieren sich immer wieder neu. Bei diesem Prozess greifen sie verstärkt auf die Möglichkeiten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien zurück. Insbesondere das Internet bietet Räume, die den gesteigerten Bedürfnissen nach Austausch und Selbstdarstellung in der Phase des Heranwachsens entgegenkommen.

So können Jugendliche ihren persönlichen Aktionsradius durch Online-Communities mit ihren Vernetzungsmöglichkeiten leicht und schnell erweitern. Neu ist, dass dieser Radius sich nicht mehr nur auf die eigene Klasse oder die eigene Clique vor Ort begrenzt, sondern dass alters-, schul- oder ortsübergreifend nach interessanten Personen gestöbert werden kann, um diese mit einem entsprechenden Vorwissen als „Freunde“ zu gewinnen. Die mediale Selbstdarstellung und der „grenzenlose“ Austausch können jedoch dazu führen, dass unbedacht persönliche Daten preisgegeben werden.
Online-Communities
Insbesondere die 14-15-Jährigen sind in Online-Communities aktiv, 77% in dieser Altersgruppe bewegen sich täglich oder mehrmals pro Woche in ihren jeweiligen Communities.
Nutzungsmotive von Online-Communities
Online-Communities werden von Heranwachsenden intensiv genutzt. Bei der Nutzung dieser Plattformen spielt bei allen Jugendlichen das Thema „Beziehungsmanagement“ in all seinen Facetten eine ausschlaggebende Rolle: Freunde finden, kennen lernen, mit Freunden in Kontakt bleiben bzw. treten oder die Tatsache, dass alle Freunde in der jeweiligen Community Mitglieder sind und man in der Peer-Group nicht außen vor sein möchte.

So haben die jugendlichen Nutzer im Durchschnitt laut JIM Studie von 2013 um die 300 „Freunde“, wobei hier zu hinterfragen ist, was „Freund“ bedeutet. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich auf der visuellen Ebene darzustellen und auszutauschen. Persönliche Bilder, Selfies, dienen zur Selbstpräsentation und Identitätskonstruktion, durch Bilder Anderer kann man deren Selbstdarstellung „begutachten“ und Bilder gemeinsamer Aktivitäten verdeutlichen die „In-Group“.
Herausforderungen für den Datenschutz 
In diesem Zusammenhang ist der Schutz persönlicher Daten ein wichtiges, aber oftmals zu wenig beachtetes Thema. Der Umgang mit personenbezogenen Daten ist in Deutschland in verschiedenen Datenschutzgesetzen geregelt, wobei das Bundesdatenschutzgesetz zentral ist. Personenbezogen sind alle Daten, mit denen jemand zu identifizieren ist, wie Namen, Foto, Adresse, Telefonnummer, personalisierte E-Mail-Adresse. Die Herausforderung für den Datenschutz liegt nun darin, dass viele Nutzer von sozialen Netzwerken diese Angaben bspw. auf ihrer Profilseite selbst und freiwillig machen. Hierbei sind sie sich oftmals nicht darüber im Klaren, wer die Daten einsehen kann und dass diese im Internet schnell vervielfältigt werden können, so dass der Betroffene nicht mehr Herr seiner Daten sein könnte.
„Generation Sorglos“?
So stellen viele jugendliche Nutzer von Online-Communities Daten zu ihren Vorlieben, ihrer politischen Orientierung oder ihrem Beziehungsstatus online. Veröffentlicht werden auch Bilder von privaten Situationen, die man normalerweise nicht preisgeben würde. Ebenso nicht immer wohlüberlegt ist die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen. So kann eine eher vulgäre Sprachwahl in der Gruppenbezeichnung („Wer tanzt, hat bloß kein Geld zum Saufen“) schnell ein falsches Licht auf jemanden werfen. Dies kann Folgen haben, wenn z.B. Personalchefs Online-Communities nutzen, um neben der formalen Bewerbung Näheres über den Bewerber zu erfahren.

Ein weiteres Problem ist die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, indem Bilder, die Freunde, Familie und Bekannte zeigen, ohne deren Einverständnis oder gar Wissen eingestellt werden. Eine Schattenseite ist auch, wenn sehr private Details oder beleidigende Tatsachen z.B. auf der öffentlich einsehbaren Pinnwand über jemanden verbreitet werden bis hin zu gezieltem Mobbing.

Auf all diesen Wegen werden Spuren im Internet hinterlassen, worauf es hinzuweisen gilt. Ob mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder der Austausch über bestimmte Themen: Die Communities liefern hierfür ein optimales Umfeld. Jedoch sollte sowohl im Schulalltag als auch in der Familie ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es nach wie vor öffentliche Orte sind, in denen sowohl die eigenen persönlichen Daten als auch die von Anderen zu schützen sind.