Nickname und E-Mail-Adresse

Kinder und Jugendliche bewegen sich im Netz, um mit anderen Personen in Kontakt zu treten, sich über Interessen, Fragen oder Probleme auszutauschen. Ob durch Nutzung von E-Mail-Adressen, Nicknames, Passwörtern oder Persönlichkeitsbeschreibungen – stets werden Spuren im Netz hinterlassen.
„...ach, wie gut ist dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!"- In diesem Märchen der Gebrüder Grimm war das Ziel des kleinen Männchens, seine Persönlichkeit zu verbergen. In der Realität hat man hingegen den Eindruck, dass insbesondere Kinder und Jugendliche das Gegenteil von einem Rumpelstilzchen-Dasein anstreben. Social Communities, Chaträume oder Messenger verändern Praktiken des Identitäts- und Beziehungsmanagements.

Im Zuge dessen wird eine Vielzahl an personenbezogenen Informationen ins Netz gestellt, die zumeist öffentlich verfügbar und nicht rückholbar sind. Die Verschiebung der Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem durch heutige Informationstechnologien stellt den Datenschutz vor enorme Herausforderungen. Sie bieten jedoch zugleich eine neue, kreative Form der sozialen Interaktion und eine Ressource für Identitätskonstruktionen von Heranwachsenden.
Internet-Aktivitäten
Laut einer aktuellen BITKOM-Studie zur Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen sind heute ab dem Alter von 10 Jahren fast alle online.
Mediale Identitätsbildung
Im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung bauen Jugendliche ihre sozialen, außerfamiliären Beziehungen aus. Die Beziehungen wiederum wirken sich auf die Identitätskonstruktion Jugendlicher aus. Die Entwicklung und Darstellung des Selbstbilds sowie die soziale Anerkennung und Bestätigung des Selbst gewinnen an Bedeutung. Dieser Prozess verlagert sich zunehmend auf die mediale Ebene, d.h. Medien werden von Jugendlichen verstärkt zur Identitätsarbeit herangezogen.

Medien wirken als bedeutende Sozialisationsinstanz, indem sie Vorbilder repräsentieren oder Lebenswege demonstrieren. Ebenso bieten sie zahlreiche Möglichkeiten sich auszudrücken, zu kommunizieren und Individualität zu inszenieren. Insbesondere die mediale Darstellung innerhalb von sozialen Netzwerken hat eine breite Aufmerksamkeit erreicht. In den Communities findet die Identitätsarbeit sowohl durch die eigene Profilbearbeitung als auch durch die Zugehörigkeit zu jeweiligen Gruppen (z.B. „Ich-liebe Schuhe“) statt.

Hier bilden sich neben der klassischen „Clique“ neue Formen von überörtlichen Gemeinschaften und jugendkulturellen Gesellungsformen. Im Zuge dessen erfolgt das Beziehungsmanagement, indem bestehende Gruppenkontakte gepflegt oder z.B. aufgrund gleicher Interessen neue Kontakte geknüpft werden.
Wahl von E-Mailadresse und Nickname
Die Identitätsarbeit setzt sich häufig in der Wahl der E-Mail-Adresse oder eines Nicknames („Spitzname“), der z.B. in Chats eingesetzt wird, fort. Kinder und Jugendliche möchten sich mit ihrer eigenen E-Mail-Adresse oder ihrem Nickname selbst darstellen. Diese Selbstdarstellung geht oftmals unbewusst mit der Preisgabe von Privatsphäre einher, da die Wahl eines Namens Rückschlüsse auf deren Besitzer zulassen kann.

So ist der Besitzer eines niedlichen Nicknames z.B. als besonders gutmütig einzuschätzen. Der Nickname „Aggro_berlin“ wiederum könnte auf bestimmte Einstellungen des Users hinweisen, denn die Lieder der gleichnamigen Band wurden wegen menschenrechtsverletzender Texte auf den Index gesetzt. Unsicher sind auch Nicknames oder E-Mail-Adressen, in denen Wohnort, Geburtsdatum oder Hobbys integriert werden, wie z.B. die Adresse balletliebhaber@weilburg.de.

Dahingehend sollten Kinder und Jugendliche sensibilisiert werden, z.B. im Rahmen der Erstellung einer E-Mail-Adresse zur Nutzung in der Schule. Denn solange Kinder und Jugendliche beachten, dass keine Rückschlüsse auf Persönliches möglich sind, können sie in der Wahl ihrer E-Mail-Adressen und Nicknames ihrer Fantasie freien Lauf lassen.