Problematische Inhalte

Neue technische und damit einhergehende medienkonvergente Entwicklungen eröffnen neue Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten bieten einerseits Chancen und können in Alltagssituationen praktisch sein, bergen jedoch gleichzeitig das Potential zum Missbrauch.
Per Handy oder Smartphone Bilder und Musik tauschen, sich im Chat über den neuesten Schwarm auslassen oder Freunde in Online-Communities kontaktieren: Durch die Entstehung neuer Technologien konnten sich diese Formen der Kommunikation und Information im Alltag Jugendlicher verankern. Allerdings werden solche Möglichkeiten nicht nur als Potential begriffen, sondern können durchaus zum Missbrauch einladen.

Der leichte Austausch gewalthaltiger oder pornografischer Bilder per Internet und Handy, Verleumdungen und Schikanen in Online-Communities („Cyber-Bullying“) oder die Anbahnung sexueller Belästigungen im Chat („Cyber Grooming“) stellen die Schattenseiten in der Mediennutzung dar. Nicht selten kommen Kinder und Jugendliche mit derartigen problematischen Inhalten und damit verschiedenen Aspekten von Gewalt in Berührung.
Gewalt im Internet
Rund 60% der Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren geben an, mit einer Vielfalt an Gewaltdarstellungen und pornografischen Szenen in Berührung gekommen zu sein.
Gewalt in und durch Medien
Die Diskussion um Gewalt in den Medien wird ausgiebig geführt und der Verdacht, dass durch mediale Gewaltdarstellungen auch die Gewalttätigkeit von Rezipienten gefördert wird, wurde zuletzt bzgl. der so genannten Killerspiele öffentlich heftig debattiert. Auch die Wissenschaft widmet sich diesem Thema intensiv. Die Gefahren, die von Gewaltdarstellungen bzgl. Informations- und Kommunikationsmitteln, wie dem Internet, Messenger und multifunktionalen Handys ausgehen, sind noch wenig erforscht. Es können jedoch verschiedene Aspekte der Gewaltgefährdung benannt werden, die sowohl den Persönlichkeitsschutz als auch den Jugendschutz tangieren.
Aspekte der Gewaltgefährdung
So sind über das Internet jugendgefährdende Texte, Bilder und Filme mit oftmals besonders grausamen und realistischen Darstellungen von Gewalt zu finden, die in Zeitungen oder im Fernsehen in der Regel nicht veröffentlicht werden. Dies können
Szenenfotos aus Horrorfilmen sein,
Darstellungen von Unfallopfern auf so genannten „Tasteless“-Seiten
oder die Verletzung und Tötung von Menschen in „Snuff-Movies“.
Viele Jugendliche empfinden Gewaltdarstellungen im Internet im Vergleich zum Fernsehen weitaus drastischer und realer.
Eine weitere Gefahr geht von rassistischen Gruppen aus, die das Internet zur Verbreitung ihres Gedankenguts und zur Mitgliedergewinnung nutzen. Darüber hinaus besteht die Gefahr via Internet, z.B. über Web 2.0.-Anwendungen, Messenger-Diensten oder Multimediahandys Opfer von Gewalt zu werden, in Form von den Persönlichkeitsschutz verletzenden Verleumdungen und Schikanen („Cyber-Bullying“) bis hin zu sexuellen Belästigungen in nicht geschützten Chaträumen („Cyber Grooming“).
Zugänge zu Gewalt
Jugendgefährdende Inhalte sind sowohl auf gängigen Video- oder Fotoportalen (YouTube, Myspace etc.) zu finden oder auf für die Darstellung brutaler Gewalt bekannten Portalen. Nur selten stoßen Jugendliche zufällig auf die geschilderten Inhalte oder suchen diese gezielt auf. Allerdings werden solche Inhalte zumeist über „Mund-zu-Mund Propaganda“ bekannt, z.B. durch Links von Freunden/Bekannten, was durch die Vertrauenswürdigkeit dieser Personen nicht weniger problematisch ist.
Nutzungsmotive
Zur Beurteilung der von problematischen Inhalten ausgehenden Gefahren sind die Motive der Nutzer von Bedeutung. So können Unterhaltungs- und Sensation-Seeking-Motive eine Rolle spielen: Hier geht es darum, Aufregendes zu erleben, Spaß zu haben und der Langeweile zu entkommen. Auch soziale Motive, wie das Gemeinschaftserlebnis oder der Wunsch mitreden zu können, kommen zum Tragen. Eskapismus und/oder Entfremdung („Alienation“) von Familie, Schule und Gleichaltrigen können den Konsum von Gewaltdarstellungen ebenfalls befördern.
Problematische Inhalte thematisieren
Manche Erwachsene wissen wenig über das genaue Mediennutzungsverhalten von Heranwachsenden. Auch Eltern kontrollieren teilweise kaum z.B. die besuchten Internetseiten ihrer Kinder. Insgesamt wird die Mediennutzung in Familie, Schule noch zu wenig thematisiert oder ist vorurteilsbehaftet.

In diesem Zusammenhang ist bei manchen Eltern und Lehrkräften die Kenntnis problematischer Aspekte der Mediennutzung gering oder sie werden übergewichtet. Deshalb gilt es, mit Heranwachsenden jugendgefährdende Gewaltaspekte zu problematisieren oder über den Persönlichkeitsschutz angreifende Vorgänge ins Gespräch zu kommen, damit eine kritische und kompetente Haltung aller Beteiligten entwickelt werden kann.