Cyber-Bullying

Mit heutigen Informations- und Kommunikationsmitteln machen die meisten Kinder und Jugendlichen zumeist positive und kreative Erfahrungen. Jedoch nutzt eine Minderheit diese Technologien in problematischer Hinsicht: „Cyber-Bullying“ ist der Missbrauch moderner Kommunikationsmittel, insbesondere des Internets und der Mobiltelefone, um andere zu schikanieren oder ihnen anderweitig zu schaden.
Ein Griff zum Mobiltelefon und das Video des stotternden Mitschülers ist aufgezeichnet. Schnell funktioniert der Austausch des Videos und die betreffende Person ist augenblicklich Lachnummer der Klasse.

Für viele Kinder und Jugendliche sind solche Formen von Schikanen alltäglich, sei es als Opfer, Zuschauer oder sogar Täter. Andere einzuschüchtern, vorzuführen oder anzugreifen ist an sich kein neues Phänomen. Neu ist es, andere zu bedrohen, beschämen oder erpressen, indem mittels moderner Informations- und Kommunikationsmittel tief in die Privatsphäre der Opfer vorgedrungen wird: Cyber-Bullying (oder Cyber-Mobbing) wird dieses Phänomen genannt („bullying“: Tyrannisieren). Hierbei spielt der Missbrauch multifunktionaler Mobiltelefone eine tragende Rolle.
Datenverwendung im Internet
Immer mehr Kinder und Jugendliche melden sich tagtäglich bei Socialnetworks bzw. Online Communities an, doch wissen sie überhaupt was mit ihren persönlichen Daten passiert?
Bedeutung des Mobiltelefons als multifunktionale Plattform
Das Mobiltelefon hat einen hohen Stellenwert im Alltag von Kindern und insbesondere von Jugendlichen. Als zentraler Bestandteil der Jugendkultur erlaubt es eine individualisierte Mediennutzung, die es in Zeiten des Heranwachsens und damit verbundener Abgrenzungstendenzen erlaubt, sich der elterlichen Kontrolle zu entziehen. Das Mobiltelefon ist ein Mittel der sozialen Vernetzung und dient zur Alltagsorganisation. Darüber hinaus bietet es vielen Jugendlichen eine Identitätsfunktion, ob als Statussymbol in der Peergroup, Accessoire oder Ausdruck von Geschlechtsidentität. Ebenso spielt die Unterhaltungsfunktion eine wichtige Rolle.

Der hohe Stellenwert ist u.a. Folge der technischen Entwicklung: Die heutigen Mobiltelefone sind mit Geräten früherer Generationen nicht vergleichbar. Inzwischen sind sie multmediale Alleskönner, die es erlauben, Fotos und Videos zu machen, Musik zu hören, Daten zu tauschen sowie das Internet zu nutzen. Immer noch sind das Telefonieren und die Kommunikation via SMS für die meisten Jugendlichen die wichtigsten Grundfunktionen, gefolgt von dem Musik hören und im Internet surfen (vgl.Studie JIM Studie 2013).
Risiken des Mobiltelefons
Im Zuge der Entwicklung und Verbreitung der Mobiltelefone entstand das Problemfeld, dass z.B. andere Jugendliche per Fotos, Videos, Anrufe oder Textnachrichten, teilweise in anonymer Weise und gegenüber einem großen Publikum, bloßgestellt, beleidigt oder gedemütigt werden. Dies reicht von Gemeinheiten per SMS, über Telefonterror mit wiederholt beleidigenden Anrufen bis hin zum Fotografieren oder Filmen peinlicher Situationen, die schnell ausgetauscht oder auf Videoportalen (YouTube, Myspace etc.) veröffentlicht werden. Manche nutzen solche Videos auch zur Bedrohung oder Erpressung von bspw. Mitschülern.
Happy Slapping
In der letzten Zeit tauchen zudem selbstgedrehte Filme auf, in denen überwiegend fremde Personen geschlagen oder anderweitig verletzt werden. Man spricht irreführend von Happy Slapping („Fröhliches Schlagen“), bei dem Jugendliche Gewalttaten begehen, um diese mit dem Mobiltelefone zu filmen. Bekannt sind Fälle von Übergriffen auf Busfahrer öffentlicher Verkehrsdienste, Lehrkräfte oder Mitschüler.

Die Bezeichnung des Phänomens ergibt sich aus den unterstellten Motiven der Täter, die Parallelen zu ungefilmter Gewalt Jugendlicher aufzeigen, wie die Suche nach Anerkennung in der Clique (Geltungsmotiv) oder das Erleben von außeralltäglichen Kicks (Erlebnismotiv). Allerdings können diese klassischen Motive mit der problemlosen und schnellen Aufzeichnungsmöglichkeit durch Mobiltelefone erweitert werden. Denn die gefilmten Videos kursieren hiernach im Freundeskreis oder auf öffentlichen Video-Plattformen und können die dargelegten Motive verstärken.

Oftmals sind z.B. Mitschüler in solchen konkreten Gewaltsituationen Augenzeugen. Jedoch sind viele aus unterschiedlichsten Gründen lieber „live“ dabei, anstatt zu schlichten oder Hilfe zu holen. Dieses fehlende Unrechtsbewusstsein und die damit einhergehende Passivität offenbart sich auch bei weiteren Formen des medialen Mobbings, z.B. in Online-Communities. Hier können Lehrkräfte unterstützend wirken, indem sie das Thema Cyber-Bullying im Unterricht aktiv ansprechen und aufklärend wirken.
Für Fragen rund um den Jugendschutz steht seit Oktober 2008 die kostenlose Jugendschutzhotline 22988 der Mobilfunkanbieter zur Verfügung.
Die englischsprachige Lektüre Cyber Nightmare von Paul Davenport stellt das Thema Cyber-Bullying in einer spannenden Geschichte rund um die Hauptperson Neil Green in den Mittelpunkt.
Betroffenen von Cyber-Mobbing bietet Nummer gegen Kummer kostenfreie telefonische Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern.