Mobbing im Web 2.0

Web 2.0 lädt zum Mitmachen ein und markiert eine Veränderung in der Nutzung und Wahrnehmung des Internets. So sind soziale Online-Communities als eine Form des Web 2.0 insbesondere bei Jugendlichen ein beliebtes Kommunikations- und Darstellungsmittel. Die Popularität und Alltagspräsenz der Communities wird jedoch auch zum gezielten Mobbing genutzt.
Direkt nach der Schule zu Hause angekommen, wird nachgeschaut, ob Freunde Nachrichten auf der eigenen Pinnwand bei der jeweiligen Online-Community hinterlassen haben. Dieses Szenario ist Alltag für viele Jugendliche. Denn bei der Nutzung des Internets genießen vor allem die sozialen Online-Communities (WhatsApp, Facebook, Skype, Googleplus) einen hohen Stellenwert.

Rund 80 Prozent der 12- bis 18-Jährigen nutzen laut der Studie "Kinder und Jugend 3.0" der BITKOM aktiv WhatsApp, gefolgt von Facebook. Solche Plattformen dienen vorwiegend zum Austausch mit Freunden, werden jedoch teilweise dazu genutzt, um z.B. Mitschüler gezielt anzugreifen, indem boshafte Kommentare, erniedrigende Fotos/Videos oder falsche Behauptungen darauf veröffentlicht werden.
Beliebteste Community
WhatsApp ist die beliebteste Community, die Jugendliche zwischen 10-18 Jahren derzeit aktiv nutzen.

Communities als soziale Spielräume
In einer Lebensphase, in der für Jugendliche die Bedeutung von Peer-Groups steigt, sie ihre Identität ausbilden, sich immer wieder neu definieren und positionieren, spielen soziale Netzwerke, speziell Communities eine große Rolle. Sie bieten durch ihre Vernetzungsmöglichkeiten neue Formen der Information, Kommunikation und Selbstdarstellung. So sind die meisten Freunde in der gleichen Community eingetragen, man kann neue Freunde kennen lernen und sich mittels persönlicher Nachrichten oder auf einer für alle Freunde sichtbaren Pinnwand austauschen.

Der Austausch und die Identitätskonstruktion erfolgt zudem über die Bildebene. Man veröffentlicht Bilder von sich selbst, Bilder über gemeinsame Erlebnisse und schaut sich an, wie sich die anderen präsentieren und in welchen sozialen Zusammenhängen sie sich zeigen. Diese Darstellungsformen sind oftmals Ausgangspunkt für die (mediale) Kommunikation.
Formen des Mobbings in Online-Communities
Durch die geschilderten Vernetzungsmöglichkeiten können Jugendliche im positiven Fall kommunikative, kreative und soziale Kompetenzen einbringen. Im negativen Fall sind sie ein Mittel, um andere über längere Zeit zu schikanieren, d.h. eine Form von Cyber-Bullying zu betreiben.

So nutzen die Täter, Bullys („Tyrannen“) genannt, Communities um Beschimpfungen oder Verleumdungen zu hinterlassen. Auch die Einrichtung von „Hass-Seiten“, das gezielte Ausschließen des Opfers aus Gruppen und Kontaktlisten oder das Anlegen eines falschen Profils ihrer Opfer sind Methoden der Bullys. Damit dringen sie tief in die Privatsphäre der Opfer ein. Das kann so weit gehen, dass für das Opfer schwerwiegende Folgen entstehen und viele nichts mehr mit dem „Gemobbten“ zu tun haben möchten.
Mobbing von Schulpersonal
Lehrkräfte waren schon immer Zielscheibe von Mobbing durch Schüler/-innen. Dies setzt sich im digitalen Zeitalter fort. Mittels Mobiltelefon und Internet lassen sich jedoch die Effekte und Reichweite ausdehnen. Im Zuge dessen haben die Themen Gewalt gegen Lehrkräfte in Form des Cyber-Bullyings sowie die Lehrerbeurteilung im Internet („Spickmich.de“) ein großes Medienecho erfahren.

Während Cyber-Bullying zumeist die Verletzung des Persönlichkeitsrechts betrifft, ist die rechtliche Situation bei „Spickmich“ nicht abschließend erklärt, weshalb die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) anmerkt, die Lehrerbeurteilung nicht als eine Form des Cyber-Bullyings anzusehen. Zudem erklärt die GEW, dass die Quantität des Cyber-Bullyings bzgl. Lehrer eher gering einzustufen ist. Die größere Problemlage ergibt sich aus der Tatsache, dass bei Lehrkräften große Unsicherheit im Umgang mit Cyber-Bullying-Fällen, sei es auf Lehrer- oder Schülerseite, vorherrscht.
Mobbing verhindern und damit umgehen
Deshalb ist es von Bedeutung, dass an Schulen Richtlinien bzw. ein Verhaltenskodex zum Schutz vor Mobbing, real und virtuell, im Internet oder per Mobiltelefon, entwickelt werden. Hierbei sind präventive Maßnahmen einzuschließen. Es gilt, Kinder und Jugendliche aufzuklären, die Auseinandersetzung mit unzulässigen Inhalten und Übergriffen unter ethisch-moralischen Gesichtspunkten zu suchen und ihr Unrechtsbewusstsein zu schärfen.