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Lost in Space

Lesezeit: Minuten
Beurteilungsvermögen | Kommunikationsfähigkeit | 13-16 | 90 Minuten

Unterrichtsidee zur Simulation einer auditiven Online-Diskussion
„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ schrieb bereits Hobbes im 17. Jahrhundert, ohne auch nur zu ahnen, mit wieviel Inbrunst die Internetnutzer*innen der Zukunft dies bestätigen würden.
Bei “Lost in Space” simulieren die Jugendlichen eine auditive Online-Diskussion. Sie diskutieren über ein Thema aus ihrer Lebenswelt und vertreten ihre eigene oder ihnen zugewiesene Meinung. Anschließend vergleichen die Jugendlichen die Online- und der Offline-Debattenkultur und reflektieren ihr eigenes Verhalten im Netz.
Die Jugendlichen werden für eine konstruktive Debattenkultur im Netz sensibilisiert. Sie stellen eine auditive Online-Debatte im Stile von Clubhouse oder Twitter Spaces nach. Sie versetzen sich in verschiedene Rollen und stärken dadurch ihr Bewusstsein für die verletzende Natur von Beleidigungen im Netz.
Projektverlauf

Zum Einstieg lesen die Jugendlichen nacheinander beleidigende Zitate aus Online-Diskussionen vor, ohne dass ihnen der Kontext bekannt ist (Siehe Download). Anschließend wird in die Projektarbeit übergeleitet. Zwei Hauptredner*innen, die sich schon vorab auf ein lebensweltnahes Thema vorbereitet haben, setzen sich vor die Gruppe. Neben ihnen wird ein Stuhl freigelassen.

Anschließend ziehen sich alle Masken auf. Die Hauptredner*innen beginnen ihre Diskussion, die restlichen Jugendlichen bekommen Reaktions- und Meldekarten, einigen anderen werden bestimmte Rolle zugeteilt. Wenn ein Jugendlicher etwas sagen möchte, hebt er die Meldekarte und wartet bis er von den Redner*innen aufgerufen wird. Dann setzt er sich auf den freien Stuhl und formuliert seinen Beitrag.

Wenn die Jugendlichen Zustimmung oder Ablehnung äußern möchten, heben sie die entsprechende Karte. Anschließend beurteilen sie die Diskussion und erläutern, wie es ihnen dabei ergangen ist.

Auf den Arbeitstischen werden Papierzettel verteilt. Dabei handelt es sich um unzensierte, beleidigende Beiträge, die verschiedenen sozialen Medien entnommen wurden. Wenn die Gruppe zur Ruhe gekommen ist, drehen sie die Zettel nacheinander um und lesen sie vor. Sie erfahren zunächst nicht, worum es sich bei den Auszügen handelt.
Höchstwahrscheinlich wird es den Jugendlichen schwerfallen, die Sätze vorzulesen. Nutzen Sie die kognitive Dissonanz, die bei ihnen auftritt, um die Jugendlichen darauf hinzuweisen, dass die Sätze diversen Online-Diskussionen entstammen. Die vorgelesenen Beispiele zeigen, dass im Netz wohl eine Debattenkultur herrscht, die im echten Leben anmaßend erscheint. Aus diesem Grund werden Sie mit den Jugendlichen ein populäres Debattenformat simulieren, um über angemessene Diskussionsformen im Netz zu reflektieren.

Tipp: Als mögliche Diskussionsthemen aus der Lebens- und Alltagswelt der Jugendlichen bieten sich beispielsweise die Themen „Body Shaming“ und „Handynutzung in der Schule“ an. Fallbeispiele zu beiden Themen finden Sie in der unten aufgeführten Linkliste. Für beide Themen wird als Aufriss eine kontroverse Frage im „Soll“-Duktus gestellt:

Frage 1: Sollen idealisierte Körperbilder in den Medien (Kinderbücher, Model-Sendungen, Werbung) verboten werden?
Frage 2: Sollen an Schulen Handys im Unterricht und bei Prüfungen erlaubt sein?
Sozialform: Plenum
Zwei Jugendliche haben vorab von der Lehrkraft den Auftrag bekommen, sich zu einem Thema vorzubereiten. Wichtig ist, dass die beiden Jugendlichen konträre Positionen vertreten. Verteilen Sie Masken, die von allen Jugendlichen getragen werden sollen.

Die Jugendlichen bekommen Meldekärtchen sowie Kärtchen mit bekannten Reaktionen aus den sozialen Medien („Daumen hoch“, „Daumen runter“ „Herz“ „Gelächter“…). Wenn die Jugendlichen auf die Diskussion reagieren möchten, heben sie die entsprechende Reaktionskarte. Wenn sie einen Redebeitrag abgeben beziehungsweise die Diskussion kommentieren möchten, heben sie die Meldekarte und warten, bis die Redner*innen sie nach vorne rufen. Sie setzen sich auf den freien Stuhl, machen ihren Wortbeitrag und begeben sich anschließend zurück auf ihren Platz.

Zusätzlich werden Rollenkarten verteilt, die manchen Jugendlichen gewisse Verhaltensweisen vorgeben (Störer*innen, Schlichter*innen, Faktenchecker*innen, destruktive/konstruktive Kritiker*innen).

Hinweis: Für den Fall, dass die Debatte vorzeitig endet, kann es je nach Klassenzusammensetzung sinnvoll sein, zwei weitere Jugendliche zu bitten, sich auf ein Thema vorzubereiten.
Ergebnissicherung: Debatte
Sozialform: Plenum
Im Anschluss reflektieren die Jugendlichen über die Diskussion. Zunächst in Partnerarbeit, dann im Plenum. Fragen Sie die Jugendlichen, ob sie das Diskussionsformat bereits kannten und wenn ja, ob die Debatte im Klassenraum ähnlich der Online-Debatten war, mit denen sie Erfahrung gemacht haben.
Sozialform: Partnerarbeit / Plenum
Diskutieren Sie anschließend worin der grundlegende Unterschied zwischen Debatten im Netz und denen in der realen Welt ist. Die Jugendlichen versuchen zu begründen, wieso im Netz zumeist ein anderer Ton als in der realen Welt herrscht und was man als Individuum tun kann, um zu einer konstruktiveren Debattenkultur beizutragen. Nutzen Sie dazu auch die Infografik Debatte vs. Netzdebatte (Link)

Die Ergebnisse der Diskussion werden in Form eines Tafelbildes festgehalten.
Ergebnissicherung: Tafelbild
Sozialform: Partnerarbeit / Plenum
Projektfazit

Die Jugendlichen übertragen Verhaltensformen aus der Online-Welt in die „reale Welt“ und vergleichen die unterschiedlichen Diskussionskulturen, die online und offline vorherrschen und suchen nach Gründen für den rauen Ton, der im Netz herrscht. Dadurch reflektieren sie ihren eigenen Umgangston im Netz.

Fallbeispiel Body Shaming

Hier finden Sie für die Projektidee das Fallbeispiel "Body Shaming" zum Download.

Fallbeispiel Handynutzung

Hier finden Sie für die Projektidee das Fallbeispiel Handynutzung zum Download.

Reaktionskarten

Hier finden Sie die Reaktions- und Meldekarten zum Download.

Weiterlesen im Dossier "Netzdebatten"
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