Was tun gegen Fake News?

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Das Schuljahr ist fast zu Ende. Robert freut sich schon riesig. Dann aber kommt der Schock: Er erhält bei WhatsApp eine Nachricht. Darin steht: In diesem Jahr werden wegen der vielen Schulausfälle die Ferien verschoben. Robert fragt sich, was jetzt aus seinem Urlaub und dem Sportcamp wird. Aber kann das wirklich stimmen?

Fake News sind gefälschte Nachrichten, die heute vor allem in sozialen Netzwerken und Messengern auftauchen, mit dem Ziel, Menschen zu täuschen und in ihrer Meinung zu beeinflussen. Die Gründe, weshalb Menschen Fake News schreiben und verbreiten, sind dabei sehr unterschiedlich.

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Fake News erkennen

Manche Menschen erfinden Fake News aus Hass und wollen dadurch andere Personen oder Volksgruppen beleidigen, ausschließen oder herabwürdigen. Andere verfassen Fake News, um politische Meinungen zu verändern und Stimmung gegen bestimmte politische Entscheidungen zu machen. Wieder andere erstellen Falschmeldungen, um Klicks auf Webseiten zu erhalten und um damit Geld zu verdienen.

Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Medien tragen zur Verbreitung von Fake News bei, wenn sie Meldungen einfach ungeprüft weiterleiten. Wie schnell sich so falsche Informationen verbreiten und erhalten bleiben können, wird in sozialen Netzwerken nicht nur von Kindern und Jugendlichen, sondern auch von Erwachsenen unterschätzt.

Wie also wahr von falsch unterscheiden? Die Vielfalt an Informationen und Quellen richtig einordnen zu können, ist nicht immer einfach. Die folgenden Tipps unterstützen dabei, Fake News zu erkennen und nicht weiter zu verbreiten.

Überspitzte Darstellungen und fehlende Quellenangaben können Anzeichen für Falschnachrichten sein.
Wem eine Nachricht verdächtig vorkommt, sollte die Schlüsselwörter der Nachricht mit einer Suchmaschine überprüfen und die Aussagen abgleichen. Wird die Nachricht auch von größeren Medien verbreitet und geben andere Medien zusätzliche oder andere Informationen?
Ein Blick auf die Ursprungsseite der Information lohnt sich immer. Gibt es ein Impressum, Name und Adresse? Seriöse Portale und Plattformen geben transparente Angaben an.
Gehört ein Bild tatsächlich wie behauptet zur Nachricht oder zu einer anderen? Bei Fotos kann die Bildersuche helfen, um Fakes zu enttarnen. Dafür kann man zum Beispiel die Rückwärts-Suche von Suchmaschinen nutzen. Mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Bild klicken, die Bild-URL kopieren und dann in die Bildersuche einfügen. Taucht das Bild zum Beispiel gehäuft bei zweifelhaften Seiten auf, kann dies ein Anzeichen einer Falschmeldung sein.
Einige soziale Netzwerke wie Facebook bieten Funktionen an, um Fake News zu melden. Auch auf Plattformen wie das Rechercheportal Correctiv können Internetnutzer Fake News melden. Die Initiative Mimikama betreibt mit hoaxsearch.com zudem eine Suchmaschine, die Ergebnisse zu Aufklärungsberichten liefert.
Falsches richtig einordnen

Viele Menschen habe im privaten oder beruflichen Umfeld bereits Erfahrungen mit Menschen gemacht, die Falschnachrichten oder verbreiten Personen, die einem nahe stehen, sprechen zum Beispiel über "die Medien" oder sogar von „der Lügenpresse“, als würden alle Journalisten und Medienmacher unter einer Decke stecken. Als "Beweis" für eine Aussage wird womöglich ein YouTube-Video herangezogen.

Diese Gespräche folgen häufig einem Muster: Jemand behauptet etwas, bei dem es klare Schuldige gibt, die für ein Problem verantwortlich sind. Je nach Feindbild können das Geflüchtete, Politiker oder die Presse sein. Diese Aussagen klingen vielleicht falsch, aber sie im gleichen Moment wirklich widerlegen zu können, ist nicht einfach. Denn um einen komplexen Sachverhalt richtig einzuordnen, braucht es Zeit und Recherche. Aber wieso ist es schwer, passend auf eine Verschwörungserzählung zu reagieren?

Handeln ist nicht immer einfach

Begegnet man Verschwörungserzählungen oder Fake News, ist vor allem eins wichtig: sich zu positionieren, zu handeln und damit Zivilcourage zu zeigen. Hilfestellung für die eigene Zivilcourage kann das in der Psychologie bekannte Fünf-Phasen-Modell des prosozialen Verhaltens von Bibb Latane und John Darley geben. Um eigene Hürden beim Handeln zu überwinden, kann es helfen, sich einzelne Phasen dieses Modells bewusst zu machen.

Wenn man eine Situation beobachtet, in der jemand eine Verschwörungserzählung wiedergibt, muss man die Aussage zuerst einmal als problematisch wahrnehmen. Das klingt banal, ist es aber nicht - schon gar nicht, wenn Gespräche beiläufig oder unter Stress geführt werden.
Hört man eine merkwürdige Geschichte z. B. innerhalb einer Gruppe, könnte man, wenn die anderen nicht reagieren, schnell denken, dass man etwas Falsches verstanden hat. Wenn also jeder Anwesende annimmt, dass kein Problem besteht, weil die anderen nicht handeln, dann handelt niemand. Die Psychologie nennt das "pluralistische Ignoranz".
Hat man eine Situation als problematisch wahrgenommen, ist es wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen. Denn oft genug passiert es, dass Menschen sich denken: Warum soll ich etwas sagen und etwas riskieren? Soll doch jemand anderes den Job übernehmen!
Es ist nicht immer angenehm, jemandem zu widersprechen. Insbesondere dann, wenn man selbst keine genaue Antwort auf einen Sachverhalt hat oder wenig Ahnung vom jeweiligen Thema.
Erst wenn die vorherigen Phasen durchlaufen wurden, handeln Menschen und zeigen Zivilcourage. Das ist nicht immer einfach, gerade dann nicht, wenn man einer Verschwörungserzählung entgegentritt. Überzeugte Verschwörungsideologen haben sich oft Bausteine zurechtgelegt und aus Falschinformationen ein mitunter komplexes Weltbild gebaut. Es werden zum Beispiel nur Andeutungen fallen gelassen, die eine Kritik sehr schwer machen.

Wichtig aber ist: Krude Thesen und Ideen, gerade wenn sie menschenfeindlich sind, sollten nicht unwidersprochen stehen gelassen werden. Es ist wichtig, zu handeln, statt zu schweigen.

Mit Fakten kommt man nicht immer gegen jede Falschinformation an. Aber in einer Diskussion lohnt es sich, immer wieder zwischendurch zu fragen, woher erzählte Informationen stammen. Anschließend kann man diese auf Faktencheck-Seiten wie Mimikama oder correctiv.org überprüfen - und so relativ leicht auch wie im Fall von Robert die Nachricht über die verschobenen Schulferien als falsch identifizieren.

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