Das engagierte Netz

Mit einem Klick eine Online-Petition unterstützen. Mal eben für ein gemeinnütziges Projekt Geld spenden. Oder ganz einfach mit anderen Ideen sammeln und ein Projekt starten: Die digitale Welt macht es immer leichter, sich nicht nur zu informieren, sondern sich direkt zu engagieren.
„Was die Digitalisierung vorantreibt, ist auch das Heilsversprechen, dass die digitale die bessere Gesellschaft sein kann.“ Dieser Satz ist für den Startup- und- Sozialunternehmer Jörg Rheinboldt zum Motto geworden, denn der Gründer der Internetspendenplattform betterplace.org glaubt, dass neue Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen ein fester Bestandteil in der digitalen Welt sind. Wie diese aussehen können, zeigen Online-Plattformen wie Betterplace, Startnext oder Kickstarter. Dort können Nutzer direkt und individuell Ideen, Projekte und Initiativen, die ihnen gefallen, finanziell unterstützen und natürlich eigene einreichen.
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Neue Formen der Gemeinschaft
Mit der vielfältigen Anwendbarkeit digitaler Medien werden die Unterschiede zwischen realer und virtueller Welt fließender, denn die Online-Aktivitäten werden immer stärker mit dem restlichen Leben verknüpft. Bestes Beispiel dafür sind die sozialen Netzwerke. Sie haben sich nicht nur zu wichtigen Kommunikationsmitteln entwickelt. Sie verbinden Menschen mit gleichen Interessen und können dabei helfen, gemeinsam Ziele zu erreichen. Der offene Zugang und Austausch von Informationen trägt darüber hinaus dazu bei, mehr Menschen mit zivilgesellschaftlichen Projekten zu erreichen.
Demokratie leben
Wie diese Teilhabe in der digitalen Welt aussehen kann, zeigen Initiativen wie jugend.beteiligen.jetzt, OpenPetition oder Lasst uns streiten. Die Online-Plattform jugend.beteiligen.jetzt beispielsweise vereint Menschen, die eine lebendige Beteiligungskultur im Alltag von Jugendlichen verankern möchte.

Dafür werden auf der Plattform im Sinne des offenen Zugangs von Informationen, Methoden und Tools vorgestellt, die Interessierte bei der Umsetzung eigener Projekte helfen sollen. Und natürlich spielt die Vernetzung mit Gleichgesinnten eine große Rolle: Wer für sein Projekt Unterstützung benötigt, findet Erfahrungsberichte und praktische Tipps. Wissen, das für Jedermann frei zur Verfügung steht.

Die Dialogplattform „Lasst uns streiten“ hat den direkten politischen Meinungsaustausch im Blick. Dort können sich Nutzer zu aktuellen politischen Themen positionieren und ihre Meinung begründen. Sie werden aber ebenso mit konträren Meinungen anderer Nutzer konfrontiert und aufgefordert, diese zu kommentieren. Um die direkte Beteiligung von Nutzern geht es auch bei „OpenPetition“. Die Plattform unterstützt Bürgerinnen und Bürger dabei, eigene Petitionen zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu erstellen. Wer ein Anliegen hat, kann es hier formulieren und dafür Unterstützer finden.

Was diese Projekte und Initiativen vereint, ist: Sie alle unterstützen Menschen, die sich mit Blick auf unsere Gesellschaft engagieren. Egal ob sie das mit einer Idee, einer Meinung oder im ehrenamtlichen Bereich tun.
Ohne Engagement geht es nicht
Heute ist die Zahl der Ehrenamtlichen in vielen Vereinen stark rückläufig. Für Jugendliche und junge Erwachsene werden dagegen neue Engagementformen, die übers Netz organisiert werden, wichtiger. Junge Menschen wollen sich für eine bessere Welt einsetzen, ohne dabei in einen Verein oder eine Partei eintreten zu müssen. (Studie verlinken, siehe Kasten) Viele von ihnen bevorzugen spontane selbstorganisierte Aktionen, an denen sie gemeinsam mit Freunden teilnehmen können.

Wie die Studie Digitales Engagement - Analyse der Förderprogramme auf Bundesebene zeigt, wird das über digitale Medien organisierte Ehrenamt immer wichtiger. Es fehlt aber an politischen Strategien, um dies zu fördern. Wer heute eine App schreibt, die geflüchteten Menschen die Integration in den Arbeitsalltag erleichtert, oder mit IT-Lösungen Sehbehinderten den Zugang zur digitalen Welt ermöglicht, der schafft gesellschaftlichen Nutzen, der vergleichbar ist mit dem der klassischen Vereine oder Ehrenämter. Denn digitale Technologien ermöglichen nicht nur Engagement im Netz: Sie machen es leicht, engagiert dabei zu sein.