Verbunden trotz Distanz

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Videochat der Klasse 7a: Alle sind still, um das „Geräusche-Quiz“ zu lösen. Dabei werden Geräusche gesammelt und zu einem Quiz zusammengestellt. Heute spielt Michael seine aufgenommenen Töne aus dem Alltag ab. Was hören die anderen?

In den Diskussionen über das Fernlernen, Distanzlernen oder Homeschooling geht es oft nur um die passende Auswahl an geeigneten digitalen Tools für Chat- und Videotelefonie, Wissensvermittlung oder Alltagsorganisation. Dabei liegt die Herausforderung in Zeiten von Homeschooling und Distanzlernen vor allem auch darin, die Beziehung und Bindung zu den Schülerinnen und Schülern zu erhalten. Sie ist ein wichtiger Baustein für die Lernmotivation von Kindern und Jugendlichen und auch für die Motivation der Lehrkraft unersetzlich.

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Lehrerin im Videochat mit Schülerinnen und Schülern
Schule als Gemeinschaftsort

Die Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der sozialen Gemeinschaft. Im regulären Schulalltag übt die Lehrkraft mehrere soziale Rollen gegenüber den Schülerinnen und Schülern aus. Sie ist die Person, die das Wissen vermittelt, Arbeitsaufträge erteilt, Lernprobleme löst und Feedback gibt. Sie sorgt aber auch für das Zusammengehörigkeitsgefühl des Klassenverbands, ist Ansprechpartnerin bei Problemen, Vermittler zwischen Kind und Elternhaus.

So ist insbesondere für Lehrkräfte die Kommunikation abseits von Fachinhalten schon immer ein wichtiger Baustein zur Herstellung einer emotionalen Basis gewesen. Diese Basis gilt es auch in Zeiten eingeschränkten Präsenzerlernens aufrechtzuerhalten. Denn sie ist die Grundlage für Lernmotivation und Wohlbefinden in ungewohnten Lernsituationen.

Laut der Studie Schule zu Hause in Deutschland der Telekom-Stiftung wird „der große Anteil an Alleinarbeit sowie der fehlende direkte Kontakt mit Lehrkräften und Mitschülern von der Gesamtheit der Schülerinnen und Schüler (46 Prozent) deutlich negativ wahrgenommen.“ Doch es gibt gute und einfache Möglichkeiten, wie die Lehrkraft ihrer Rolle als Zuhörer, Gemeinschaftsvermittler und Streitschlichter in Zeiten, in denen der persönliche Kontakt eingeschränkt ist, gerecht werden kann:

Der regelmäßige Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern schafft soziale Bindung, vermittelt Verbundenheit und Mitgefühl.

Feste Termine für gegenseitigen Austausch und Rückmeldungen in der Gruppe
Einzelgespräche anbieten/einrichten
Nach der Situation (technische Ausstattung/Betreuung durch Eltern) zu Hause/persönlichem Befinden (Alltag mit Eltern, Geschwistern) fragen
Gleiche Abläufe des Schullebens bieten Sicherheit und Zugehörigkeitsgefühl.

Morgen- oder Mittagsgespräche durchführen
Besprechung nach Abschluss eines Arbeitspakets
Pausen einlegen
Gesicht und Stimme der Gesprächspartner gibt Gefühl der Verbundenheit und stärkt die soziale Bindung.

Tipps für Videokonferenz: Gesicht gut erkennbar durch Ausleuchtung, Hintergrundbild wählen, das die Teilnehmer nicht ablenkt, Hintergrundgeräusche vermeiden
Etwas, das das Team gemeinsam hat, stärkt jeden Einzelnen auch auf Distanz, gibt Kraft durchzuhalten, z. B.:

Gemeinsames Motto/Slogan ausdenken: "In der 7a ist jeder für jeden da!"
Foto von jedem, bezogen auf Corona-Situation, (z. B. Blick aus dem Fenster) erstellen lassen und ein digitales Plakat daraus machen
Digitales Corona-Tagebuch erstellen, in dem jeder mal etwas einschreiben kann
Videokonferenzen sollten nicht nur zum Lernen genutzt werden. Wichtig ist auch eine lockere Atmosphäre mit „spaßigen Einlagen“.

Kleine Aktivitäten einbauen, wie Tanzen, Mini-Challenges, Quizzes, Foto- oder Videowettbewerbe
Emojiliste, damit die Teilnehmer ihre Gefühle wiedergeben können
Motivieren, neue Dinge mit Vorhandenem auszuprobieren, das Beste aus der Situation zu machen

Beim Distanzlernen ist also die Beziehungs- und Bindungsarbeit eine der zentralen Herausforderungen und nicht immer gibt es DIE Lösung. Wichtig ist, die Aufrechterhaltung der emotionalen Basis bei allen wichtigen Diskussionen um geeignete Tools und technischen Hürden nicht aus dem Blick zu verlieren. Neue, kreative Ideen sind gefragt, Mut zum Ausprobieren für neue Formen der Lernbegleitung. Vor allem sollten alle Beteiligten wissen: Wir sitzen alle in einem Boot, nie war das solidarische Miteinander wichtiger als jetzt!

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