Ist Teilen das neue Kaufen?

Die Bohrmaschine liegt 363 Tagen im Jahr im Keller. Der Schrank quillt über vor alten Kleidern. Das Auto wird kaum bewegt: Es gibt viele Dinge, die man im Alltag nur selten nutzt. Immer mehr Menschen teilen, tauschen oder leihen sich deshalb Dinge aus, anstatt sie zu kaufen.
Das Prinzip des Tauschens, Teilens und Leihens ist nicht neu. Man kennt es aus Dörfern und von Hausgemeinschaften: Was der eine nicht hat, das hat der andere. Wo jemand selbst nicht weiter weiß, kennt sich ein anderer aus. Dieses Prinzip hatte allerdings häufig seine Grenzen: Schließlich muss man genügend Menschen kennen, die über das benötigte Wissen oder die Gegenstände verfügen. Und die müssen natürlich bereit sind, zu teilen.
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Aus alt wird neu
Durch die digitalen Medien sind ganz neue Möglichkeiten des Tauschhandels entstanden. Vor allem die sozialen Netzwerke haben das Teilen zwischen sich fremden Privatpersonen erleichtert und die Kultur des Teilens in die digitale Welt überführt. Getauscht, verliehen und geteilt wird im Internet fast alles, was denkbar ist: Essen, Kleidung, Dienstleistungen, Bücher, Autos, Wohnungen und Waren des täglichen Gebrauchs.
Privat zu privat
Die sogenannte Sharing Economy, wie man das Teilen von Konsumgegenständen oder Dienstleistungen über Plattformen im Internet nennt, hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Fast täglich entstehen innovative Mietkonzepte, Tausch- und Verleihplattformen, die die gemeinschaftliche Nutzung – das sogenannte Peer-to-Peer-Sharing (Abk.: P2P-Sharing) ermöglichen.

Vier von fünf Deutschen haben dort bereits Produkte oder Dienstleistungen geteilt, anstatt sie zu kaufen, so die Studie Zukunft des Peer-to-Peer Sharing. Die Angebote in Deutschland erstreckt sich dabei vor allem auf die Konsumbereiche Mobilität (40 Plattformen), Übernachten (20), Kleidung (10), Gebrauchsgegenstände (31) und Ernährung (6).
Nachhaltig oder ökonomisch?
Geht es bei der Sharing-Community immer um soziale Motive? Sind Umwelt-Aspekte wichtiger als der finanzielle Gewinn? In einer aktuellen Befragung wurden P2P-Sharing-Nutzer nach ihren Motiven gefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass ökonomische Motive wie „Geld sparen“ und „Geld verdienen“ eine ebenso wichtige Rolle wie ökologische Motive („Ressourcen besser nutzen“) spielen.

Wo sich anhaltende Trends entwickeln, wollen auch große Konzerne dabei sein. Während beim P2P-Sharing-Ansatz Privatnutzer ihre Besitztümer oder Dienstleistungen anbieten, ist das „Mieten statt besitzen“ häufig auch ein Geschäftsmodell von Anbietern, die den Nutzern Autos, Fahrräder oder ähnliches vermieten, um Gewinne zu erzielen.
Mehr Platz, mehr Zeit
Sharing Economy bringt nicht nur positive Impulse. Plattformen, die Unterkünfte anbieten, stehen beispielsweise in die Kritik, weil durch sie Privatwohnungen vermieten werden. Wohnungsangebote in vor allem großen Städte werden so noch weiter verknappt und die Mietpreise in die Höhe getrieben.

Dagegen ist das Potential von Peer-to-Peer-Sharing, ob nun ein Auto oder Hausgerätschaften, für eine ressourcenschonende Zukunft groß. Mit dem kollektiven Tauschen wird Müll vermieden, Energie gespart und Ressourcen werden geschont. Was häufig dabei nicht in den Blick gerät, aber ein schöner Nebeneffekt ist: Weniger Gegenstände bedeuten weniger Platzbedarf und Geldersparnis.