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Künstliche Intelligenz – gekommen, um zu bleiben!?

Lesezeit: Minuten
Mit dem Auftauchen von ChatGPT & Co. ist künstliche Intelligenz (KI) plötzlich auch in der Bildungswelt angekommen und erschüttert diese in ihren Kernbereichen. Werden wir Schüler*innen noch ermutigen können, selbst Texte zu schreiben? Werden Hausaufgaben obsolet und Hausarbeiten, Präsentation inkl. ihrer Bildwelten überflüssig? Und werden wir nicht von Fakes überschwemmt?

Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben und schon jetzt zeigt sich, dass Verbote völlig ungeeignet erscheinen. Es gilt vielmehr, einen verantwortungsvollen Umgang mit KI zu finden und junge Menschen zu ermutigen, die Potenziale zu entdecken, Risiken zu erkennen um mit KI ganz selbstverständlich die Zukunft zu gestalten .

Futuristischer Klassenraum

Beispiele für KI-generierte Bildkreationen

Es lohnt also genauer hinzuschauen und zu prüfen, wie wir künstliche Intelligenz als „Lernbegleitung“ einsetzen können, um individuelles Lernen zu fördern und Themen zugänglicher zu machen. Zugleich ist es wichtig, sich mit den Risiken bei der Nutzung von KI in Lernsituationen zu beschäftigen und Strategien zu entwickeln, damit umzugehen.

KI als Lernbegleitung

Künstliche Intelligenz in der Lernbegleitung - was kann da schon schiefgehen? Eigentlich nichts, außer natürlich, die KI erzählt Unwahrheiten aber dazu später. In Bildungsprozessen ist die Individualisierung von Lernangeboten ein Schlüssel, um Chancengerechtigkeit zu erhöhen. Bei der Nutzung KI-basierter Angebote können personalisierte Lernszenarien für Schüler*innen erstellt werden, über die Analyse der Daten Lernziele dynamisch angepasst und Feedback im direkten Dialog ausgegeben werden.

Der Erfolg von ChatGPT zeigt, wie es ganz einfach gehen kann. Denn durch das dialogische Verfahren, auch prompten genannt, kann eine KI wie ChatGPT zur ganz individuellen Lern-Assistenz werden. Man stellt Fragen und die KI antwortet gezielt in guter Sprache. Durch Verfeinerung der Fragen wird das Ergebnis immer besser. Man gibt neuen Input und die KI korrigiert. Selbst erstellte Texte kann die KI bewerten und Tipps zur Verbesserung geben. Kommt man bei Aufgaben nicht weiter, hilft die KI und man muss die Antworten und Lösungswege nur noch prüfen. Witzige Ergebnisse kann man erzielen, wenn man die KI bittet, eine bestimmte Rolle zu übernehmen. Dann antwortet sie als historische Person oder als Greta Thunberg. Ganz schnell landet man in einem spannenden Dialog, den man so sonst nie führen könnte.

Spannend wird es auch, wenn man zusätzlich eine KI wie DeepL einsetzt, die auf Übersetzungen spezialisiert ist. Sie hilft nicht nur Prompts leichter zu erstellen, sondern sie „versteht“ Rechtschreibung und Grammatik in vielen Sprachen vorwärts und rückwärts.

Beispiele für KI-Nutzung in der Bildung

Das „Zentrum für Lernen und Innovation“ der Fernuniversität Hagen bietet auf der Hochschul-Website einen ständig aktualisierten Leitfaden zur didaktischen Einordnung von ChatGPT. Darin wird erklärt, was ChatGPT ist und wie es in verschiedenen Lern- bzw. Lehrszenarien eingesetzt werden kann.
Unglaubliche Möglichkeiten, wenn es da nicht einige Herausforderungen gäbe. Dazu zählen unter anderem der Datenschutz sowie Fragen in Bezug auf das Urheberrecht. Am schwerwiegendsten ist wohl, dass die KI Ergebnisse generieren kann, die vollkommen frei erfunden sind, ohne Fakten untermauert und nicht der Wahrheit entsprechen.
Ein Werkzeug ohne Betriebsanleitung?

„Wir befinden uns in einer Übergangsphase, die immer eine Phase der Anpassung erfordert“, so die KI-Ethikerin Giada Pistilli, die hinzufügt, dass es bei den aktuellen Veränderungen in diesem Bereich noch keine ausreichende Orientierung gebe. Offensichtlich wird dies im Umgang mit problematischen Inhalten, die von der KI erstellt werden. Zwar wurde in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet, dass große Sprachmodelle wie Chat GPT ethische Grundlagen beachten, aber eine Hürde bleibt: KI kreiert munter fantasievolle Unwahrheiten. Werden diese nicht hinterfragt, verbreiten sich Falschinformationen rasant.

Expert*innen nennen dies „halluzinierende KI“. Der Informatiker und Physiker Douglas R. Hofstadter erklärt dieses Phänomen damit, dass KI-Systeme „cluelessly clueless“ sind, also ahnungslos gegenüber der eigenen Ahnungslosigkeit. Denn die Ausgabe der KI basiert auf komplexen, vernetzten Informationen die über Wahrscheinlichkeiten menschenähnliche Antworten generieren. Eine sterile Welt der Daten also.
Beispiele für frei erfundene (halluzinierende) Ausgaben der KI

Beispiel: Der Papst mit dem angesagten Daunenmantel – ein Bild, das mit Midjourney erstellt wurde.

Ganz anderes als für uns Menschen ist die „Rose“ für die KI nur eine Zeichenfolge. Die unendlich vielen Assoziationen, die wir mit dem Begriff verbinden, kennt sie nicht. Die Verantwortung, KI generierte Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, jede Ausgabe zu hinterfragen und Quellen zu recherchieren, liegt somit immer bei uns Menschen. Berücksichtigen wir dies, tut sich eine ganz neue Welt des Lernens auf.
Zusammenfassung

  • KI-Anwendungen sind in der Bildungswelt angekommen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Technologie muss gefunden werden. Verbote helfen nicht.

  • Als Lernbegleitung bieten KI-Modelle Chancen für individualisiertes Lernen und verändern nachhaltig Lernprozesse. Es liegt an uns, die neuen Möglichkeiten mutig zu erforschen, um die Potenziale zu entdecken.

  • Die Nutzung von KI-Modellen im Bildungskontext erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit der Technologie und den von ihr erzeugten Ergebnissen. Insbesondere die unreflektierte Verbreitung von Unwahrheiten, die Generierung von Fake News und die Auseinandersetzung mit problematischen, diskriminierenden oder Minderheiten diffamierten Inhalten muss Kernelement einer jeden Nutzung im Bildungskontext sein.

Behalten wir dies im Blick, können KI-Anwendungen ungeahnte neue Lernmöglichkeiten aufmachen und gesellschaftliche Teilhabe deutlich befördern.
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